Photographie Manfred Rößmann

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Stiel-Eiche in Wolfurt und die Fluchthilfe

Die wohlgeformte Stieleiche in Wolfhurt ist ein Naturdenkmal i.d. Region Bregenz. Sie hat einen Umfang von 5,05 m. Vor dreißig Jahren war ringsum fast nur Ried. Heute befinden sich auf der anderen Straßenseite Industriebetriebe.

Nachdem ich alle Fotos im Kasten hatte und die Ausrüstung einpackte, kam ein Radfahrer vorbei und freute sich über meine Aufmerksamkeit gegenüber der Eiche. Er selbst - ein Bewohner eines Nachbardorfes - ziehe jedesmal den Hut vor diesem schönen Baum. Schnell kam es zu weiteren Themen, die für die Region von Interesse sind und waren. Als er hörte, dass wir auch St. Gallen i.d. Schweiz einen Besuch abstatten wollten, kam er auf die Zeit des Faschismus zu sprechen und auf die Situation an der österreichisch-schweizerischen Grenze. Er berichtet von einem St. Galler Polizeitkommandanten, der hunderten deutschen Füchtlingen - insbesondere jüdischen - das Leben gerettet hat:

Der St. Galler Polizeikommandant Hauptmann Grüninger rettete in den Jahren 1938 und 39 mehrere hundert jüdische und andere Flüchtlinge vor der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung, indem er ihnen durch Vordatierung der Einreisevisa und/oder Fälschung anderer Dokumente die Einreise in die Schweiz ermöglichte. 1939 wurde er deswegen vom Dienst suspendiert und seine Ansprüche auf Pension aberkannt. 1940 wurde er wegen Amtspflichtverletzung zur Zahlung einer geringen Geldstrafe verurteilt. Seine Tochter Ruth musste die Handelsschule in Lausanne abbrechen, sie kehrte zur Familie nach St. Gallen zurück und musste sich eine Stelle suchen: „Man sah meinen Vater als Verbrecher an. Ich bekam eine Absage nach der anderen, bis ich in einer jüdischen Textilfirma eine Anstellung fand.“ Ruth Grüninger konnte damit gerade die Miete für die St. Galler Wohnung bezahlen, in der sie fortan mit ihrer zwölf Jahre jüngeren Schwester Sonja, ihrer Mutter und ihrem Vater wohnte. Paul Grüninger lebte in seinen restlichen drei Jahrzehnten von Gelegenheitsarbeiten und als Aushilfslehrer. Er fand nie wieder eine feste Anstellung. Seine Tochter hat ihm die Enttäuschung angemerkt, aber „trotzdem betonte er bis zu seinem Tod, er würde wieder gleich handeln. Darauf bin ich stolz.“ Zwei Monate vor seinem Tod schenkte ihm der deutsche Bundespräsident Gustav Heinemann einen Farbfernseher. 1972 starb Grüninger verarmt in St. Gallen.

Quelle: Wikipedia (Abruf an 24.4.16) - hier finden Sie auch weitere Informationen.

Erst 1993 wurde Ernst Grüninger rehabilitiert. 1998 wurde an die Nachkommen eine beachtliche materielle Wiedergutmachung gezahlt. Davon gründeten sie die Paul Grüninger Stiftung, die sich aktiv für die Verteidiger von Menschenrechten einsetzt.

Solche Menschen brauchen wir auch heute!

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